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Abschiedstour ins Dynamoland

Sonnabend 8:00 Uhr, der Wecker macht schon seit längerem auf sich aufmerksam - wieso so früh? Ach ja, keine Pilsetten für die Fahrt im Haus. Schnell noch zum Konsum und los hätte es gehen können, wäre nicht eine Flasche der Ansicht gewesen im Rucksack zu platzen und mir den Auftakt zu versauen. Also erreichte ich den Treffpunkt mit einer Plastiktüte bewaffnet.
Zu meinem Erstaunen stand dort ein richtiger Bus, hatte ich doch mit einer 12-Mann-(oder Frau)-Fordschüssel gerechnet und N'kurve am Vortag gesagt, er könne getrost zu Hause bleiben (was er nicht tat), da er eh nicht mehr reinpassen würde. Einige wenige Kiezpersönlichkeiten standen schon herum, von Fanbetreuer oder Stehplatz-Reiseleiter + Crew keine Spur. So irgendwann nach Abfahrtszeit traf eine große Sonnenbrille, hinter der sich nicht nur Gregors Gesicht, sondern auch viele dunkle Stunden der letzten Nacht verbargen. Viele der Anwesenden versprühten ähnliche Blicke. Nach einiger Telefoniererei und nicht mal ner halben Stunde später trafen auch lepetit + Ursache der Verspätung(Frohni) ein. Endlich - rein in den Bus. Die Alten blieben unten und die ultraorientierte Jugend machte sich auf in den ersten Stock des Fantransporters.
Jetzt ging's los und damit war nicht allein die Fahrt gemeint. Der Fahrer erzählte, wo er sein Bier versteckt hielt und dass er schon öfter so Kaffeefahrten gemacht hätte. Mindestens eine Dame fiel sofort in den Dornröschenschlaf und man hörte die ersten Kronkorken zu Boden rasseln. Alles verlief wie gewohnt und dem vorerst letzten Ausflug ins sächsische Nachbar-land schien nichts feindselig gesonnen. Kaum gedacht, kam auf der Autobahn die erste Stauwarnung. Gerade noch rechtzeitig, das Ende des Staus vor Augen, konnten wir abfahren. Dass wir dabei nicht die ersten waren, merkten wir schnell, denn nun tuckerten wir parallel zum 6-Spurigen Asphalt auf der Landstrasse umher. Erste furchterfüllte Blicke zur Uhr taten der Stimmung im Bus keinen Abbruch. Bald darauf fanden wir uns auch schon auf der A xx gen Dresden wieder. Irgendetwas fehlte noch im Programm. Stimmt. Der Film. In einer, zu DDR-Zeiten mehrfach erfolgreich erprobten Wahlabstimmung fiel das Voting auf einen Olsenbande-Klassiker, der uns von nun an audiovisuell zusätzlich beglückte. Besonders bei den Ü 60's im Bus gab's dafür großen Beifall.
Zwischendurch hielt man zwecks Entleerung auf einem Rastplatz, Erwähnenswertes passierte hier allerdings nicht. Nach dem Erreichen der sächsischen Landeshauptstadt empfing uns das hiesige (oder dortige) Polizeiruf 110-Team mit nem schneeweißen Passat+Blaulicht, der uns den Weg zur Pioniereisenbahn ebenen sollte. Leider schien in deren Drehbuch etwas anderes zu stehen - wir fanden uns nämlich kurz darauf vor den Gittern der schwarz-gelben Stadionwelt wieder. Mit Vorfreude im Bauch, bestimmt jeder hatte eine Flasche Vorfreude getrunken, verließen wir den Bus. Angesichts einiger dickbäuchiger Glatzköppe und den Erinnerungen aus den Zeitungsartikeln über Dünamos Taten abseits des Spielfelds, verhielt sich selbst die Ultra-Fraktion angenehm zurückhaltend. Am Einlass stellte man mir die Frage, ob noch Busse folgen würden. Ich ging von ca. 20 aus, was sich später als Fehleinschätzung herausstellen sollte. Im Rudolf-Harbig-Stadion gab's dann ein putziges Getränk namens Feldschlösschen. Viele waren jedenfalls froh, dass ihre Geschmacksnerven zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz jungfräulich waren. Bei der Verlesung der Aufstellung unseres Teams kam es dann zu einigen verwunderten Blicken, ob das nun nur an den teilweise seltenen Namen gelegen hat, vermag ich nicht mehr zu sagen.
Man lag im Spiel schnell zurück und alles deutete auf ein Debakel hin. Ein groß gewachsener, kräftiger, ja fast schon als dick zu bezeichnender Mann aus den FI-Reihen hatte sich erstaunlicher Weise auf dem Zaun verfangen und schrie dort, was das Zeug hielt - seine Gemeinde und wir taten es ihm gleich. Die Old-School-Aktien-Gesellschaft war kurz darauf auch nicht mehr zu halten und es hallte ein Klassiker nach dem anderen durchs weite Stadionrund, fast jedenfalls.
Zur Pause lag 03 0:2 hinten und das war noch geschmeichelt. Härtel hatte alsbald keinen Bock mehr, sagte das dem Schiri, der ihn daraufhin mit einer roten Karte in die Katakomben schickte - Tchö Jens.
90 Minuten bei der Hitze sind in dem Alter halt nicht mehr so angenehm. Dresden mit 11 gg. 10 schaltete jetzt einen Gang zurück, machte trotz allem das 3. Tor und wurde daraufhin wohl ein wenig übermütig. Deren Torhüter besaß glatt die Frechheit den Ball mal so zum Spaß gegen die eigene Latte(des Tores) zu befördern. Strafe folgte auf dem Fuße und Challa, sowie Nippon verkürzten auf 2:3! Es wurde richtig spannend und die Dresdener schwammen auf einmal. Unsere Stimmung begann überzukochen und fast hätte es den Ausgleich in dieser dramatischen Schlussphase gegeben. Aber "fast" sind nach den aktuellen DFB-Statuten 0 Punkte. Wir feierten als wären es 2 oder so gewesen. Hinzuweisen wäre noch darauf, dass ein gewisser Vorberichtsschreiber mit Nickname Roberto Carlos genannt sich auch nach hundertfachen Huldigungsrufen nicht der Öffentlichkeit präsentierte - eine stasiinterne Auswertung des Vorgangs wird folgen. Der Weg zum Bus verlief innerhalb des Stadions, so dass man keine neuen Fanfreundschaften aufbauen konnte. Schade, bedenkt man, wie liebevoll wir hier immer empfangen wurden(Berlin, Berlin - J….-Berlin). Die Rückfahrt begann dann als riesiger Spaß, voran eine grüne Wanne mit Blaulicht, nahmen wir rote Ampel für Ampel, vorbei am erstaunt dreinblickenden sächsischem Völkchen. Für einige im Bus war das mit den roten Ampeln nichts Ungewöhnliches - Ursachen liegen irgendwo zwischen BTMG und Farbblindheit. Nun ging's mit lachendem, weinendem Auge und etwas Kopfschmerzen heimwärts. Begleitet von XXX(Band erfolgreich verdrängt) und Elekälaiset(schreibt man das so?) nahm man noch den einen oder anderen Tropfen zu sich, woraufhin die Erinnerungen immer schlechter ausfallen…
Schwups, wir waren daheim und es hieß Aussteigen. Erwähnt werden sollte außerdem, dass der freundliche Busfahrer nach einer großartigen Spendenaktion, initiiert von der Reiseleitung, heute im sonnigen Süden weilt und die zusammen gekommenen Millionen auf den Kopf haut. Ob wir das mit 03 auch so hinkriegen? - - - Bleibt jedenfalls zu hoffen - - -

Alles in allem ne schöne Fahrt.
Ruppi

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