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Eigentlich könnte alles so einfach und schön sein. Da es aber "eigentlich" nicht gibt, ist mal wieder alles anders beim SVB Nulldrei. Unsere überhaupt nicht geliebte Vereinsführung hat es tatsächlich geschafft unseren Verein in den Ruin zu wirtschaften. Wie bekannt ist, wurde letzte Woche der Insolvenzantrag eingereicht, um den absoluten Supergau vielleicht noch abzuwenden. Damit steht es unseren umso mehr geliebten Spielern frei, die Kündigung einzureichen und nicht mehr aufzulaufen. Wer von diesem Recht sofort gebrauch gemacht hat, wusste natürlich keiner der Fans. Und das direkt vor dem Auswärtsspiel in Osnabrück, welches ich für mich als einen der Höhepunkte der Auswärtssaison ausgemacht hatte. Es war zu befürchten, dass einige aufgrund der ungewissen Situation keine Lust mehr verspürten sich nach Osna aufzumachen. Zum Glück hielt sich aber die Menge der heimgebliebenen in Grenzen. Doch war auch ich davon direkter Betroffener. Da Ewald - Reisen, organisiert von der elitären studentischen Zusammenrottung, diesmal nicht fuhr, bekam ich eine offizielle Anfrage von (nennen wir Ihn) Chrischan, ihn mitzunehmen. Da wir noch einen letzten Platz frei hatten, zwängten wir ihn noch irgendwie auf die Rücksitzbank. Obwohl ich schon einige Berichte der Ewald - Reisegruppe gelesen hatte, wusste ich nicht so recht auf was wir uns da eingelassen hatten. Ich für meinen Teil hatte natürlich mein bekanntes Auswärts Lunchpaket geschnürt. Dieses besteht in der Regel aus zu dick geschnitten Schichtbemmen und einigen Flaschen passenden Kaltgetränkes. Jedenfalls hatte unsere Reisegruppe noch gar nicht richtig Platz genommen, da begann Chrischan wortgewandt mit seinem ca. drei Stunden dauernden Referates. Und wir hatten die Stadtgrenze von Babelsberg gerade hinter uns gelassen, da hatte er mir auch schon die erste Schichtbemme wegreferiert. Ganz schön clever so früh am Morgen. Danach schlossen wir noch die Vereinbarung, dass die ersten Biere erst bei Magdeburg geöffnet werden sollten. Ja, ich schreibe bewusst sollten, denn diesmal war Magdeburg um einiges weiter weg als sonst und wir schafften es nicht ganz. Es sollte aber unsere gute Laune trotzdem weiter heben.
Ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle kamen wir dann in Osnabrück an. Dort ereilte uns dann ein Anruf, dass unsere ach so gefährliche Zugreisegruppe mit einem extra Shuttlebus zum Stadion gebracht wurde. Ein schlechter Ruf kann also auch was gutes haben. Am Stadioneingang wurden sie dann aufs gründlichste auf mitgebrachte Pyros untersucht. Schuhe ausziehen und das ganze Programm wurde durchgezogen. Uns blieb das Schuhe ausziehen vorerst erspart. Erst beim "Einschuhen" während des Spiels musste auch ich mich dem Willen beugen. Aber gut das ist ein anderes Thema. Im Gästeblock angekommen traute ich meinen Augen nicht. Tatsächlich war ein fast ausgeglichenes Verhältnis von Grün-Weißen und Nulldreifans . Jeweils ca. 70 an der Zahl. Es kam aber zum Glück von beiden Seiten keine Provokationen, so dass alles friedlich blieb. Ich hatte das Gefühl, dass die Grünen sich auch irgendwie lächerlich vorkamen. Vor dem Spiel ging mein erster Blick natürlich sofort auf den Rasen, um zu sehen wer sich denn nun tatsächlich warm macht und auf was für ein Spiel wir uns einzustellen hatten. Zu meiner Freude konnte ich erkennen. dass die komplette Mannschaft angetreten war. An dieser Stelle schon mal ein großer Dank an alle Spieler vom SVB, verbunden mit der Hoffnung euch auch weiterhin spielen zu sehen.
Beim Einlaufen der Spieler wurde dann in einer gemeinsamen Aktion von Nulldrei -und Osnabrück Fans auf Missstände in deutschen Fußballstadien aufmerksam gemacht. Unter dem Motto "Früher war Fan sein noch erlaubt - heute hat der DFB uns die Freiheit geraubt" wurden gemeinsam riesige Transpeten ausgerollt. Auslöser dieser Aktion war das Hinspiel im Karli. Hier wurden nach dem Abrennen von Pyros, auf beiden Seiten, die bereits ausführlich diskutierten willkürlichen Stadionverbote erteilt. So, und nu konnte das Spiel endlich losgehen. In den ersten Minuten wurden unsere Nulldreier fast überrannt von den Osnabrückern. Eine Chance jagte die nächste. Es dauerte dann auch nur bis zur 8. Minute bis Osna führte. Bis dahin hatte Herber schon einige Möglichkeiten vereitelt. Zum Glück beruhigten sich die Osnabrücker jetzt ein wenig. So kam Nulldrei besser ins Spiel und erarbeitete sich einige gute Möglichkeiten. In der 33. Minute erzielte Lau mit einem herrlichen Schuss aus x bis y Metern Entfernung den Ausgleich. Die Stimmung im Gästeblock, angeheizt durch den üblichen Verdächtigen, stieg mit jeder Spielminute. Zur Halbzeit schickten die Osnabrücker Ihre Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine. Das sollte uns doch stärken? Naja, mal wieder sollte. Leider konnten die Nulldreier nicht an den guten Schluss der ersten Halbzeit anknüpfen. Osna drängte auf die Führung, die dann auch in der 65. Minute fiel. Kurz danach der mittlerweile fast übliche Elfmeter gegen uns, und das Spiel war gelaufen. Eines muss ich hier aber noch erwähnen. Alle die gespielt haben, haben den nötigen Kampfgeist gezeigt. Das war in der momentanen Situation, nicht unbedingt zu erwarten. Sicherlich auch deshalb wurden sie, wie einst in Hannover, noch bis lange nach Spielschluss gefeiert. Was bleibt ist die Hoffnung, noch einige solcher Spiele sehen zu dürfen. So Gott will, ist dann auch noch mal ein Sieg zu feiern.

Vizeherbstmeister

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