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Erdbeben oder Sturm im Wasserglas

Schon bei der digitalen Mitglieder-Informationsveranstaltung Anfang Dezember 2020 trat ein Konflikt zwischen Aufsichtsrat und Vorstand mehr oder weniger offen sichtbar zu Tage. Der Aufsichtsrat hatte kurz zuvor in einer Zwischenbilanz seiner Tätigkeit konstatiert, dass die Corona-Krise allen Beteiligten große Leistungen abfordert, erneute Defizite in der Kommunikation des Vereins mit Mitgliedern und Fans bestünden und Satzungsänderungen erforderlich seien, um einen personellen Übergang im Amt des Vorstandsvorsitzendenden zu ermöglichen. Außerdem wurde die Absicht transportiert, den Verein zukünftig durch eine quotierte Doppelspitze führen zulassen.

Den durchaus als deutliche Kritik am Vorstand zu verstehenden Ausführungen des Aufsichtsrats, vertreten durch die Vorsitzende Katharina Dahme, war eine scharfe Polemik durch den Fanbeirat hinsichtlich der verpassten Durchführung einer Mitgliederversammlung im Jahr 2020 vorausgegangen: Die nur bedingt in Mitgliederfragen legitimierten Fanbeiräte formulierten in Richtung Archibald Horlitz: „Ohne eine Mitgliederversammlung ist der SV Babelsberg nur ein Unternehmen und der Mitgliedsausweis nur ein wertloses Stück Plastik. Wer diese Bedeutung einer Mitgliederversammlung nicht erkennt, sollte sich fragen, ob er an der Spitze eines Vereins richtig aufgehoben ist.“

Archibald Horlitz wies die Vorhaltungen der Aufsichtsratsvorsitzenden und des Fanbeirats gleichermaßen zurück. Dem Fanbeirat warf er nicht ganz zu Unrecht einen rüden Ton vor. Die vorgetragenen Argumente, warum eine Mitgliederversammlung nicht durchführbar gewesen sein soll, wirkten allerdings nicht gerade schwerwiegend und belastbar. Gewohnt selbstbewusst bemängelte Horlitz seinerseits Koordinationsprobleme beim Aufsichtsrat und erteilte dem Gedanken einer Doppelspitze und der notwendigen Satzungsänderung eine Abfuhr. Im Übrigen stellte Horlitz fest, er würde sich nicht vom Acker machen, solange keine geeignete Person für seine Nachfolge bereitstünde.

Gerade in der letzten Teilaussage lag vielleicht eine grundsätzliche Fehleinschätzung vor. Der gelernte Selfmade-Unternehmer Horlitz war offenkundig der Auffassung, dass er selbst maßgeblich über die weitere Entwicklung an der Vereinsspitze entscheiden würde. Satzungsgemäß ist hierfür jedoch der Aufsichtsrat zuständig. Nun kann man darüber spekulieren, ob Horlitz sich für unersetzlich hielt oder dem Aufsichtsrat nicht zutraute, ihn abzuberufen. Die Signale hätte er deutlich hören können.

Am 22. Februar 2021 berief der Aufsichtsrat Archibald Horlitz als Vorstandsvorsitzenden des SVB ab und verteilte am Abend eine kurz und sachlich gehaltene Pressemitteilung. Grund für die Abberufung seien unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Führung und Ausrichtung des Vereins und der damit einhergehende Vertrauensverlust. Der Verein würdigte in der Nachricht an die Medien die wichtigen Verdienste von Archibald Horlitz für den SVB und insbesondere für die wirtschaftliche Stabilisierung seit 2013. Die Gespräche über einen Wechsel im Amt des Vorsitzenden, die bereits seit Beginn der aktuellen Wahlperiode geführt worden seien, hätten unterschiedliche Sichtweisen auf einen personellen Wechsel an der Vereinsspitze ergeben. Um eine Blockade zu verhindern, sei der Aufsichtsrat quasi gezwungen gewesen, den Weg der Abberufung zu gehen. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden beriefen die Aufsichtsräte Björn Laars und teilten dies in der gleichen Pressemitteilung mit. Dieser Umstand zeigt, dass die Abberufung keine Kurzschluss-Reaktion auf ein konkretes Fehlverhalten darstellt, sondern die Ablösung schon länger geplant war. Dies bestätigte Björn Laars in späteren Interviews.

In der Folge gab es eine kurze mediale Auseinandersetzung (RBB, PNN, MAZ), in der Horlitz das Agieren des Aufsichtsrats bemängelte: ihm seien keine Vorhaltungen hinsichtlich etwaigen Fehlverhaltens gemacht worden, noch hätte er Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten. Im übrigen hielte Horlitz seinen Nachfolger Björn Laars nicht für geeignet als Vorstandsvorsitzender, u.a. wegen seiner Tätigkeit für den durch ihn gegründeten Kinderfußball-Verein Black Bears. Auch an der Ablehnung einer Doppelspitze hielt Horlitz fest.

Im Laufe der folgenden Statements wurde deutlich, dass der Aufsichtsrat gar nichts an der Tätigkeit Horlitz´ zu bemängeln hatte. Lediglich die Umstände seiner Demission – die er im übrigen selbst mehrfach angekündigt hatte – seien umstritten gewesen. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass die weiteren Vorstandsmitglieder allesamt in der bisherigen Konstellation erneut berufen wurden. Die Tatsache, dass kein Vorstandsmitglied dem abberufenen Horlitz folgte und auf eine weitere Mitarbeit im Vorstand verzichtete, spricht eine deutliche Sprache im Hinblick auf die Hausmacht des bisherigen, vermeintlich starken Mannes.

Was bleibt am Ende? Wiedermal verlässt ein verdienstvoller Funktionär den SVB im Unfrieden. Die beklagten kommunikativen Defizite in Richtung Vorstand / Horlitz wurden bisher nicht grundlegend angefasst. Die Aussagen des neuen Vorstands, alle Vereinsmitglieder und Sympathisanten mitnehmen zu wollen, klingen wohlfeil. Äußerungen zur strategischen Ausrichtung, zu sportlichen Perspektiven und zum Personal sind nicht zu vernehmen. Vielleicht gibt es ja bei der angekündigten digitalen Mitgliederinformation bahnbrechende Neuigkeiten…

Vielleicht kann der Aufsichtsrat dabei ja auch einige Frage beantworten:

  • Warum hat man Horlitz als Vorstandsvorsitzenden berufen, wenn man schon kurz nach Beginn der Wahlperiode über einen Wechsel im Amt des Vorsitzenden diskutierte?
  • Warum haben Björn Laars und Katherina Dahme nicht bereits zu Beginn der Legislatur (nach der Wahl des Aufsichtsrats im Sommer 2019 und vor Berufung von Archibald Horlitz) oder noch besser in der Mitgliederversammlung 2019 ihre Bereitschaft erklärt, im Vorstand operativ tätig zu werden?
  • Was passiert, wenn die Mitgliederversammlung dem Vorschlag einer Satzungsänderung mit zwei Vorstandsvorsitzenden (quotierte Doppelspitze) nicht folgt? Stehen Björn Laars und Katharina Dahme dann weiterhin zur Verfügung?
  • Wie wird der Aufsichtsrat die aus seiner Mitte entsendeten neuen Vorstandsvorsitzenden kontrollieren bzw. wie wird die Unabhängigkeit der beiden Gremien gewährleistet?
  • Benötigt der Verein demnächst wieder eine Satzungsänderung, wenn der SVB durch eine quotierte Dreifachspitze (w/m/d) repräsentiert werden soll?

In der Begründung zur Satzungsänderung (Einführung einer quotierten Doppelspitze) wird nachvollziehbarer Weise vorgeschlagen, die Letztentscheidung des Vorstandsvorsitzenden bei Stimmengleichheit im Vorstand zu streichen. Die Begründung mutet allerdings kurios an:

Wenn zwei Vorsitzende berufen sind, dann läuft diese Regelung in Leere. Durch die Regelung in Nummer 2, dass bei zwei Vorstandsvorsitzenden bis zu 5 geschäftsführende Vorstandsmitglieder berufen werden können, ist eine Pattsituation eher unwahrscheinlich. Für den Fall einer Stimmengleichheit soll hier zukünftig eine Regelung in der Geschäftsordnung gefunden werden. Weiterhin soll der Wille zu einer mehrheitsfähigen Lösungen durch die Streichung befördert werden.

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Der Rasen Teppich im Karli

Mittagsmagazin im Karli mit Greenkeeper Andi ProbaDas Karl-Liebknecht-Stadion und der Rasen auf dem Hauptplatz war nicht immer eine Liebesbeziehung. In früheren Jahren gab es heftigen Streit über die Qualität und die Pflege des Geläufs. Doch das hat sich Dank akribischer Arbeit deutlich verändert. Der DFB veranstaltet das U19 DFB Pokalfinale seit mehreren Jahren im Karli, auch wegen der Qualität des Rasenplatzes. Jetzt hat das Mittagsmagazin des ZDF beim langjährigen Greenkeeper Andi Proba nachgefragt…

Was macht eigentlich …?

Der frühere Babelsberger Torwächter Norman Becker hat kürzlich den Job des Torwart Trainers beim Liga-Konkurrenten Hallescher FC übernommen. Becker war 2005/06 für den SVB in der NOFV Oberliga aktiv und absolvierte 10 Spiele. Seinen ersten Einsatz hatte er am 19.11.2005 im legendären Derby gegen Union Berlin im Karli, als Babelsberg die Eisernen nach Rückstand zum zweiten Mal nach 2001 sensationell mit 3:2 bezwang.

Was macht eigentlich …?

... der ehemalige Babelsberger Laurin von Piechowski unterschreibt bei Lok Leipzig. Der mittlerweile 30jährige Berliner wechselt aus dem saarländischen Homburg an die Pleiße. 2013 beförderte Cem Efe den Innenverteidiger aus der U19 des SVB in den Regionalliga-Kader. Laurin entwickelte sich in 96 Einsätzen für Babelsberg zur Regionalliga-Stammkraft und wechselte 2017 nach Chemnitz in die Dritte Liga. Über die Stationen Rödinghausen, Elversberg und Homburg sammelte er diverse Meistertitel und Pokale und landete nun nach einem durchwachsenen Jahr mit einigen Verletzungssorgen in Leipzig.

Was macht eigentlich …?

Christian Groß von Werder Bremen beendet seine aktive Laufbahn. Der 35jährige Defensiv-Spezialist absolvierte nochmals 20 Bundesliga-Spiele und kommt damit auf insgesamt 83 Einsätze im Oberhaus. Sein Bundesliga-Debüt feierte er als 30jähriger im September 2019.

Für Babelsberg 03 absolvierte Christian Groß von Juli 2011 bis Mai 2013 50 Drittliga-Partien und ein Spiel im DFB Pokal 2011 gegen den MSV Duisburg, in dem er sich leider eine schwere Knieverletzung zuzog.

Am 18. Mai 2024 absolvierte er gegen den VfL Bochum sein letztes Bundesligaspiel und wurde im Bremer Weserstadion verabschiedet. Ab Herbst 2024 wird Christian Groß für den deutschen Meister Bayer 04 Leverkusen in der Scouting-Abteilung tätig sein.

Eine erfreuliche Saison. Doch Fragen bleiben offen!

Die Regionalliga Nordost biegt auf die Zielgerade ein und der SVB ist immer noch bei der Musik dabei. Derzeit platziert sich die Mannschaft von Trainer Markus Zschiesche auf Rang 4 und hat noch ein Nachholspiel beim ZFC Meuselwitz in der Hinterhand. Ohne die Partie beim ZFC beträgt der Rückstand auf Greifswald 12 Punkte, auf den BFC 10 Punkte und bei gleicher Spielanzahl acht Zähler auf Cottbus. Die Rückrundenpartie daheim gegen die Lausitzer steht noch aus und Cottbus muss noch gegen die beiden Topteams ran. Es gibt also keinen Grund, die Flinte ins Korn zu schmeißen, da insgesamt noch neun Spiele zu absolvieren und mithin 27 Punkte zu vergeben sind. Wer will schon Vierter werden?!

Olli Kragl mischt Serie D auf

Nach einer Odyssee durch die italienischen Ligen hat Oliver Kragl im sizilianischen Trapani das Glück wiedergefunden. Der frühere Nulldreier (35 Drittliga-Spiele 2012/13, 3 Tore) kam im Sommer 2023 an die Westspitze der Mittelmeer-Insel und knüpfte an längst vergangene Leistungen an.

 

Ein spannendes Frühjahr

tl_files/Abseits/img/2024/240207_ohne_amateure_keine_profis.jpgNachdem der SVB zuletzt dreimal in Folge Platz 10 bzw. 11 der Regionalliga Nordost erreichte, macht sich nach der Hinrunde 2023/24 Euphorie im Babelsberger Kiez breit. Nach siebzehn absolvierten Spielen liegt das Team vom Babelsberger Park auf Platz 5 in Reichweite zur Tabellenspitze. Der erste Greifswald ist zwar neun Punkte entfernt, hat aber schon drei Spiele mehr ausgetragen. Auch Cottbus und der BFC, die in der Spitzengruppe platziert sind und unbedingt Meister werden wollen, müssen noch am Babelsberger Park aufdribbeln.

Lok Sportplatz erhalten! Spekulation verhindern!

Der Sportverein Lok Potsdam nutzt den Sportplatz Berliner Straße seit 1951. Das Bundeseisenbahnvermögen beabsichtigt, das Grundstück im Höchstgebotsverfahren zu verkaufen. Der Verkauf würde dem Sportverein seine Heimat nehmen und der Potsdamer Sportfamilie eine weitere traditionsreiche Sportstätte entziehen.

Das Höchstgebotsverfahren muss gestoppt werden: Hier gehts zur Petition!