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Alle oder Keiner - Solidarität mit den Opfern des 20.September

Liebe Babelsberger Fangemeinde,

manche von uns werden sich in den letzten Wochen verwundert und enttäuscht die Augen gerieben haben, ob der desolaten Leistung unserer geliebten Motorelf. "Licht"blicke gab es selten zu bewundern, und wenn, dann gingen sie zumeist von Pyroaktionen der "aktiven" Fans in der Nordkurve aus. Tja, zum Sportlichen kann unserer eins ja wenig hinzutun, dachten viele, forderten mehr Hingabe der Mannschaft und verausgabten sich um so leidenschaftlicher bei der sangesfreudigen Unterstüt-zung unseres Teams. Mit welchem Resultat? Gut, wir haben, wie von vielen gefordert, einen neuen Trainer. Willkommen Herr Sandhowe. Was dieser ausrichten kann, wird sich zeigen, und es bleibt zu hoffen, daß die typischen Babelsberger Kassandrarufe nicht Realität werden. Aber auch für uns Fans hatte die angespannte Situation un-schöne Auswirkungen. Die Nerven scheinen nicht nur innerhalb der Mannschaft blank zu liegen. Schon nach dem Spiel gegen den Dresdner SC waren viele in verständli-cher heller Aufregung. Ein Flaschenwurf, eines hirnlosen leider im nachhinein nicht zu identifizierenden Idioten, veranlaßte die Vereinsführung und den NOFV sich mal wie-der mit dem Thema Babelsberger Fans zu befassen. Nur, es wurde sich auf eigenarti-ge Weise gar nicht mit dem Flaschenwurf befasst. Interessant wäre ja z.B. gewesen, wie denn eigentlich eine Flasche an unserem "engagierten" Sicherheitspersonal vor-bei ins Stadion gelangen konnte. Nein, erst einmal wurden alle Fans pauschal als Gewalttäter abgestempelt und das Thema "Abbrennen von pyrotechnischen Artikeln" auf die Tagesordnung gehoben, mit dem Resultat der Androhung von Platzsperren u.ä. durch den NOFV. Eine nähere Beleuchtung der Fanszene in Babelsberg schien den Herren beim NOVF nicht von Nöten zu sein. Es wäre ja auch peinlich und unan-genehm, sich selbst davon überzeugen zu müssen, daß, im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen im Einzugsgebiet, in Babelsberg eine friedliche und antirassistische Stimmung herrscht und hier, zwar nicht regelkonform aber doch verantwortungsvoll, mit Pyrotechnik gearbeitet wird, einzig und allein aus dem Grund der Unterstützung unserer Mannschaft. Das allein wäre alles traurig, jedoch keine Veranlassung für diese EXTRA-Ausgabe des ABSEITS.
Es ist das Verhalten des Vereins gegenüber seinen Fans, das Anlaß zum Nachden-ken und besonderen Aktionen bietet. Im Zuge erwähnter Sanktionen durch den NOFV wähnte sich der Verein in Zugzwang, und das rief den unsäglichen Sicherheitsbeauf-tragten Sven Lehmann auf den Plan. Am 20.September war es dann soweit. Seine Stunde hatte geschlagen. Endlich konnte er mal wieder aus Herzens Lust seine Aversionen ausleben. Ein nichtiger Grund findet sich immer, in diesem Fall zwei unschul-dige Rucksäcke mit Transparenten, derer er nicht habhaft werden konnte. Was dann folgte ist einfach nur lächerlich. Besagter Sven L. ließ es sich nicht nehmen, der Ver-einsführung/ Vorstand sein Leid zu klagen. Böse Menschen hätten in Rucksäcken pyrotechnische Artikel ins Stadion geschleust. Einen Rucksack (eines Osnabrückers, wie sich später herausstellte) hätte er sogar festsetzen können und standrechtlich erschießen lassen. Nur leider ist das mit den Menschen nicht so einfach. Deshalb beschloß der Vorstand, diese Menschen mit einem Stadionverbot zu belegen. Peinlich und schade ist, daß der Vorstand sich nicht entschließen konnte, auch mal die Meinung der Betroffenen zu hinterfragen. Nein, wenn man schon mal so gut in Fahrt ist, weitet man die Sache noch ein bißchen aus. Also, verbietet man einer weiteren Per-son das Betreten des Stadions, da sie als sogenannte "Führungspersönlichkeit der Nordkurve" erwähnte Rucksäcke aus seinem Auto herausgereicht habe. Und um es perfekt zu machen, klagt man noch eine weitere Person des "Abbrennen von pyro-technischen Artikeln" an, die aber nachweislich daran nicht beteiligt war, aber früher schon einmal Sven L. die Meinung gesagt hatte. Natürlich ebenfalls, ohne der Person die Möglichkeit zu geben, sich zum Sachverhalt zu äußern.
Also, ein totaler Erfolg für unseren Sven L. könnte man meinen. Die Fanszene erfolg-reich kriminalisiert, einen persönlichen Erzfeind aus dem Wege geräumt. Mitnichten. Unser Sven L. scheint immer noch nicht begriffen zu haben, daß Machtausübung auch Widerstand kreieren kann. Und so sind alle, denen freie und kreative Fanarbeit am Herzen liegt, aufgerufen, ihren Unmut nicht nur über die Aktionen des Herrn L. zum Ausdruck zu bringen, sondern auch einmal das Verhältnis des Vereins zu seinen Fans zu hinterfragen. Selbstherrlichkeit und Arroganz hat Herr L. uns schon an ande-ren Stellen spüren lassen, erinnert sei an seinen Auftritt in Fürth. Das laute Beklagen dieser Mißstände kann allerdings nicht die einzige Reaktion sein. Wichtig erscheint es, den vom Stadionverbot betroffenen Personen unsere Solidarität zu bekunden und gleichzeitig einmal ansatzweise zu demonstrieren, wer denn eigentlich, ob nun in Babelsberg oder auswärts, im Stadion die Stimmung macht und die Mannschaft vor-behaltlos unterstützt.
Daher wird unter dem Motto: Alle oder Keiner ­ Solidarität mit den Opfern des 20. September zu einer von allen aktiven Fans, ob nun jung oder alt, getragenen symboli-schen Boykottierung der NORDKURVE für die ersten 30 Minuten des Regionalli-gaspiels gegen Paderborn aufgerufen. Es ist natürlich prekär, gerade in der angespannten sportlichen Situation, unserer Mannschaft die Unterstützung nicht zulassen kommen zu können, die sie braucht. Jedoch veranlaßt uns gerade die Haltung der Vereinsführung, die von einer Geringschätzung der Fanszene geprägt zu sein scheint, zu diesem Handeln. Also, laßt euch überraschen ob der geplanten Aktionen.
Am Mittwoch fand zu dieser Thematik ein Treffen zwischen Mitgliedern des Fanbeira-tes sowie dem Manager Oskar Kosche und dem Präsidenten Marc Schulten statt. Beide Seiten legten noch einmal ihre Sicht der Dinge dar und bemühten sich, einen Konsens zu erzielen. Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass der Verein in Zukunft keine Stadionverbote oder sonstigen Sanktionen ausspricht, ohne vorher die Betroffe-nen anzuhören. Außerdem sollen etwaige Aussagen der Ordner stärker auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Die aktuellen Stadionverbote wird der SVB aller-dings aufrechterhalten, es wird aber in der kommenden Woche eine Anhörung der vier Fans geben. Danach gibt es eine entgültige Entscheidung zu diesem Thema seitens des Vereins.

Die Fans der Nordkurve

P.S.: Als Zeichen unseres guten Willens verzichten die Fans der Nordkurve heute auf Pyrotechnik und spendiert allen dafür eine Wunderkerze, die zum Beginn der zweiten Halbzeit "gezündet" werden sollen.

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