Club Deportivo Pachakuti

Pachakuti ist der erste und einzige indigene Fußballclub der Welt. Pachakuti bedeutet in der Sprache der Aymara-Indianer »zurück zu den Ursprüngen« und ist gleichzeitig auch der Name einer Bewegung für die Selbstbestimmung der indigenen Bevölkerung.

La Paz - es regnet in Strömen, trotzdem machen sich die Spieler von Deportivo Pachakuti aus Achacachi in den Kabinen fertig. Ihren Präsidenten Felipe Quispe Huanca stört das schlechte Wetter wenig, vielmehr schmerzen ihn die 60 Bolivianos (6€) die er für die Nutzung des Platzes zahlen muss, da sich die meisten anderen Clubs weigern, in Achacachi im bolivianischen Hochland auf fast 4.000 Metern Höhe zu spielen, obwohl es dort sogar ein großes Stadion gibt.

 

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Club Depotivo Pachakuti - 2 v.r. El Mallku

 

Seit der Club in der Zweiten bolivianischen Liga spielt, finden die Spiele der Mannschaft vom Ostufer des Titicaca-Sees daher immer im knapp 100 Kilometer entfernten La Paz statt. Felipe und seine Spieler müssen seitdem sogar zu den „Heimspielen“ drei Stunden mit den Bus nach la Paz fahren. Mit dem Linienbus versteht sich.

Obwohl 60% der Bevölkerung Boliviens indigenen Ursprungs sind, ist Rassismus gegenüber der indigenen Bevölkerung weit verbreitet. Dies findet u.a. seinen Ausdruck in der Weigerung der anderen Klubs, die Heimspiele von Pachakuti in Achacachi auszutragen. Dieses diskriminierende Verhalten wird von den Verbandsfunktionären sogar unterstützt.

Auf Grund der ethnischen Zusammensetzung und der großen Armut der Bevölkerung galt die Region um Achacachi lange als Unruheregion. Immer wieder kam es zu blutigen Aufständen zwischen der indigenen Bevölkerung mit der Zentralregierung und der Armee. Auslöser der Unruhen waren jeweils die Pläne der Regierung, Wasser und Erdgas zu privatisieren und an US-amerikanische Konzerne zu verkaufen. Anführer der Aufstände, die zwischen 2000 und 2005 drei Regierungen stürzte, war der heute 70jährige Präsident von Pachakuti Felipe Quispe Huanca, besser bekannt als „el Mallku“.

Er kämpfte gegen die Regierung mit der Waffe in der Hand, wurde wegen dem Versuch des Umsturzes inhaftiert und verbrachte fünf Jahre im Hochsicherheitsknast in Conchocoro. Hier holte er Abitur nach und begann ein Geschichtsstudium. Nach dieser Zeit wurde er zu einer Schlüsselfigur. Er wurde von Präsidenten, Ministern, Anführern und Diplomaten konsultiert, war von 1998 bis 2006 Generalsekretär der Gewerkschaft der bolivianischen Landarbeiter (CSUTCB) und im Jahr 2000 Gründer der Partei Movimento Indigena Pachakuti (MIP) für die er 2002 als Abgeordneter ins Parlament einzog.

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Mit dem Geld, das er als Abgeordneter verdiente, gründete er den Fußballclub Pachakuti. „Ich habe fast 20.000 Bolivianos (2.000 €) verdient. Das hat gereicht, um alles Mögliche zu machen. Die Genossen wollten, dass ich den Sport unterstütze. Daher habe ich in sechs Dörfern Fußballschulen organisiert. Wir merkten, dass wir Lehrer und Ausbilder für Sport hatten, aber keine Trainer. Es gab keinen, bis wir in Huarina einen fanden.“

Neben sportlicher Leidenschaft verbindet Quispe mit den Fußballschulen auch das politische Ziel der Herausbildung indigener Führungspersönlichkeiten. Denn obwohl ihre Aufstände in den Jahren 2000 bis 2005 wesentlich zur Bildung der linken Reformregierung von Evo Morales beigetragen haben, beklagt die indigene Bevölkerungsmehrheit Boliviens weiterhin rassistische Diskriminierung.

Im Jahr 2005 schrieb sich das Team um Felipe Quispe in der 3. Kategorie der Fußballvereinigung von La Paz ein. Von dort ging es mit kleinen Schritten voran. Der Aufstieg war schließlich kein Zufall.

CD Pachakuti spielt in schwarz und rot. Doch die die Spieler leben von der Landwirtschaft, bauen Quinoa, Mais und Kartoffeln an. Einige gehen noch zur Schule, andere studieren – trotzdem spielt der Klub mittlerweile in der Zweiten Liga.

„Wir arbeiten mit den einfachen Leuten, mit denen, die in den Profiteams am stärksten verachtet, am stärksten rassistisch diskriminiert werden. Wir suchen sie in den abgelegenen Gebieten der ländlichen Regionen“, erklärt Felipe Quispe Huanca und gibt sich zuversichtlich: „Wir (Einfältigen) mit unseren platten Nasen, die wir manchmal von anderen Klubs nicht akzeptiert werden wegen unserer Farbe oder unserer Namen, wir werden in die (Profi)Liga gelangen und werden allen zeigen, zu was wir fähig sind“.

Seitdem Felipe sein Mandat als Abgeordneter aus Protest gegen die halbherzig vorgenommene Nationalisierung der Rohstoffe und die Zahlung hoher Entschädigungen an die Konzerne zurück gab, hat er nicht mehr das gute Gehalt eines Abgeordneten wie früher. Dennoch gibt er jedes Jahr zwischen 4.000 und 5.000 Bolivianos (400 bis 500 €) aus seiner Tasche, um den Klub Pachakuti zu unterstützen. Er zahlt die Strafen, die Einschreibgebühren, medizinische Behandlung, die Bälle und die Trainingsstunden. Aber nie hat er die Pässe der Spieler verkauft, wenn sie zu anderen Klubs gehen. „Alle haben einen freien Pass, wer gehen will, kann gehen.Wir halten sie nicht.“

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Club Deportivo Pachakuti
Die Trainer bei Pachakuti arbeiten ehrenamtlich, dennoch braucht der Verein dringend finanzielle Unterstützung. Die Fahrten zu den Spielen in La Paz, für Einschreibegebühren, Behandlung der Spieler und auch Strafen, die den indigenen Spielern auch regelwidrig ausgesprochen werden, verursachen immense Kosten. Im Jahr werden so ca. 1.000 – 1.500 Euro benötigt. Für eine Mannschaft aus Bauern und Schülern eine riesige Summe.

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Aktuelle Tabelle PRIMERA DE ASCENSO

POS. CLUB PJ PG PE PP GF GE GD PTS
  1    16 de Julio   12   11   0   1   51   13   38   33
  2    Deportivo Pachakuti   12   7   0   5   44   25   19   21
  3    D. ICC   12   7   0   5   30   33   -3   21
  4    Atletico La Paz   12   6   1   5   30   18   12   19
  5    Hiska Nacional   12   4   2   6   31   39   -8   14
  6    Municipal El Alto   12   4   0   8   24   52   -28   12
  7    Dep. Millonarios   12   1   1   10   19   49   -30   4

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