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Aus Zeiten in denen das Siegen Noch Gewohnheit war
ein kleiner Rückblick der Babelsberger Fanszene
10 Jahre Abseits, das sind 10 Jahre eng verknüpft mit der Entstehung und Entwicklung einer neuen Fankultur (Nordkurve) in Babelsberg. Ausgangspunkt war die spektakuläre Rückrunde des SV Motor Babelsberg in der Saison 90/91. Der Verein stand zur Halbserie noch auf einem Abstiegsplatz in der Bezirksliga Potsdam. Viele Spieler hatten den Verein nach der Wende verlassen. Zum Glück konnten dann jedoch mit Hilfe eines neuen Sponsors (Ottis Jeansladen) etliche Spieler an den Babelsberger Park zurückgeholt werden und dank einer fulminanten Aufholjagd (nur 1 Niederlage) konnte der totale Absturz verhindert werden. Zu jener Zeit verirrten sich höchstens knapp 100 Zuschauer ins Karli, die Gegengerade plus Nordkurve war verwaist und leer. Die Erfolge der Mannschaft blieben jedoch nicht allen verborgen, sorgten sie doch auch in der damals noch jungen Potsdamer Hausbeset-zer sowie Punk/HC - Szene für Gesprächs-stoff und Interesse am Spiel. Fußball bestand in diesen Kreisen bisdato nur im Konsens mit der Sympathie zum FC St. Pauli. Jetzt aber stellten wir fest, daß wir ja als Kinder und Jugendliche früher jahrelang zu den DDR-Liga Spielen Motor Babelsbergs gegangen waren. Warum nicht also erneut, wenn auch niederklassig den Verein unterstützen? Inzwischen war der DDR-Fußball an den bundesdeutschen DFB angegliedert worden und automatisch rutschte der Verein Klassen tiefer. Aus der zwei Jahre zu vor noch 3.klassigen Bezirksliga war die 5 klassige, später mit Einführung der RL sogar 6 klassige Bezirksliga geworden.
Zur neuen Saison 91/92 sammelten sich vermehrt Fußballfreunde in der Nordkurve des Karlis, um die erstarkte Mannschaft zu supporten. Zielstellung des Vereins war der Aufstieg in die Verbandsliga. Eine damals anspruchsvolle, aber lösbare Aufgabe. Es gab keine Securitas, keine Zäune, keine unangenehmen gegnerischen Fans - nur den Fußball und uns. Und gelegentlich einen Kasten Bier, den wir uns mit zum Spiel brachten. Selbst Hunde, welche damals noch ins Stadion durften, konnten frei herumlaufen. Die Stimmung war bestens und die Mannschaft honorierte unseren Support eifrig mit Toren. Es entwickelte sich eine Fankultur, wie sie diese Liga bis dato noch nicht kannte. Natürlich fuhren wir auch auswärts mit. Am 13. Spieltag der Saison 91/92 stellte der Verein den Fans erstmals einen eigenen Fanbus - zum Spiel nach Nauen - zur Verfügung. Die Nauener staunten nicht schlecht. Weitere Fahrten, z. T. zusammen mit der Mannschaft in einem Bus sollten folgen. Presse und Gegner waren jedesmal verunsichert, wie sie uns Motor Fans einschätzen sollten. So ein bunter Haufen und so lieb! Dennoch kam es zu einigen Problemen und Fehlinterpretationen in der Presse. In Nauen sollten wir eine Bandenwerbung demoliert, in Nennhausen einen kurzzeitigen Spielabbruch provoziert haben. Diese Meldungen gaben ein völlig falsches Bild von uns wieder, was es hieß gerade zu rücken. Im Stadionheft sahen wir jedoch keine Möglichkeit, bestand es doch nur aus kopierten Zeitungsartikeln und Werbung. Wir waren also selbst gefordert und im Dez-ember zum Pokalspiel gegen Stahl Hennigs-dorf erschien das 1. Babelsberger Fanzine, das Abseits.
Zwei Wochen zuvor hatte sich die Fußballabteilung vom Verein gelöst und sich als SV Babelsberg 03 neugegründet. Mit einem Mal war alles hinfällig. Unsere Farben waren jetzt in Blau/Weiß statt Rot/Weiß wie Motor. Dennoch spielten wir damals in Rot/Schwarz weiter und im folgenden Jahr noch in Rot/Weiß. Das Blau/Weiß setzte sich erst später in der Verbandsliga durch. Auch unsere Lieder mußten geändert werden. (Man kann sich heute gar nicht vorstellen, wie schwer es war, was auf Nulldrei zu reimen.) Fakt um - Wir wollten eigentlich garnicht Nulldrei heißen. Motor war uns vertraut, wir liebten es. Aber wir gewöhnten uns dennoch schnell daran, hatten wir doch die Chance, bei diesem allgemeinen Neuanfang aktiv mitzuwirken.
Unter dem neuen Namen ging es dann stetig aufwärts. Wir mußten uns daran gewöhnen, vorerst aufs Verlieren zu verzichten, was kein großes Problem war. Dafür bekamen wir bei unserer “Ehrenrunde” durch die Landes - und später Verbandsliga meist die Abneigung und den Hass der Landbevölke-rung zu spüren. Sie sahen in unserem Verein den “arroganten Stadtverein mit Kohle”. Man merkte, daß “uns schon damals diese Liga nicht verdient” hatte.
Mit den Leistungen stiegen auch die Zuschauerzahlen. Und die Nordkurve wuchs von Jahr zu Jahr.Sie entwickelte sich zu einem beliebten Wochenendtreffpunkt für viele Potsdamer Jugendliche. Erst ins Karli und danach abends feiern und Party machen. Bei aller Liebe zum Verein gab es auch einiges, was uns lange Zeit schwer im Magen lag. Im April 94 wurde mit Baustadtrat Detlef Kaminski jemand auf den Präsidentenstuhl “unseres Vereins” gehoben, der vorher für viele Häuserräumungen in Potsdam mitverantwortlich war. Es hagelte massive Proteste aus Richtung Nordkurve und es sollte Jahre dauern, bis er die Akzeptanz der meisten Fans erlangte. Einzig wohl seinem Enga-gement für Nulldrei zu verdanken. Aber auch er konnte seinerzeit nicht verhindern, daß der BSV “Stahl” Brandenburg (damals noch RL-Mitglied) zur 1000Jahr-Feier Potsdams in unserem Karli auflief, um gegen den FC Bayern zu spielen. Welche Schmach im Aufstiegsjahr. Ein Bokott war keine Frage. Ich meine mal ehrlich, welcher richtige Fußballfan interessiert sich schon für Stahl Brandenburg oder Bayern München?
Parallel zum Aufstieg Nulldreis schickte sich nun auch noch ein Dorfverein aus dem Norden Potsdams an, den Babelsbergern Konkurrenz zu machen: die SG Bornim. Ein größenwahnsinniger Präsident vesuchte mit ner Menge Kohle den Nulldreiern die Fußballvorherrschaft in Potsdam streitig zu machen. Und das zum Teil mit Erfolg. 1995 stieg unser verhasster Ortsrivale mit einem Punkt Vorsprung vor Nulldrei in die Oberliga auf und unterstrich damit sein “angebliches Anrecht” im Karli spielen zu dürfen. Die Stadt, noch heute (leider) Verwalter des Stadions, willigte ein, hätten doch die Bornesen als gleichklassiges Team das gleiche Recht wie Babelsberg. So spielten zeitweilig (mit den Turbine-Frauen) drei Teams in unserem Stadion. Eine Katastrophe für unseren Platzwart und gleichzeitig ein Stoß ins Herz eines jeden wahren Babelsbergers. Ein Eklat war schon vorher unvermeidbar! Zum Saisonstart 93/94 durften die Bornesen erstmals im Karli spielen. Zu ihrer “Heim”-Premiere (Bornim begann im Karli, während Nulldrei auswärts spielte) stand mit weißer Farbe in großen Lettern: “Bornim go home” auf dem Rasen. Es sollte jedoch fast drei Jahre dauern, bis sie freiwillig auf ihren Acker zurückkehrten. Heute trennen beide Verein 7 Klassen!!
Von Liga zu Liga eilte uns natürlich der Ruf als Verein mit bunter Fankultur voraus. So kam es unvermeidbar zu Problemen mit Fascho’s. Beliebtestes Reise-ziel in der Hinsicht war 3 Jahre lang das Faschonest Fürstenwalde. Hier gab es regelmäßig Ärger. Es kam sogar soweit, daß Spieler sowie Trainer Metzler angegriffen wurden bzw. einschreiten mußten. Aber auch anderswo im Osten (Frankfurt/O.) gab es die Probleme. Gastgebende Vereine und Polizei taten nichts, außer Verharmlosung der Thematik. So ist das noch bis heute. Unvergessen sicher das Landespokalfinale beim FC Viktoria Frankfurt/O. vor zwei Jahren. Aber auch in den eigenen Reihen kamen Probleme auf. Nach einer Tankstellen-rast stürmte die Polizei den Fanbus, schlug und verhaftete fast alle Insas-sen und warf ihnen einen gemeinschaftlichen Überfall vor. Einzige Ursache dafür waren vereinzelte Diebstähle von Flüssigproviant. Wobei wir hier keinesfalls Diebstähle gutheissen wollen. Unser Ruf wiedermal am Boden und keiner von uns (es lief schon damals in Faneigenregie) wollte mehr Busse organisieren. Dafür ging es 94/95 erstmals gemeinsam mit dem Zug zum A-Spiel nach Frankfurt/Oder. Wir gewannen souverän 3:1 und hatten auf der Heimfahrt noch Spaß mit uns begleitenden Polizisten, die uns für Fans von Werder Bremen hielten. Vermutlich verstanden sie SVW statt SVB.
Nach drei langen Jahren (2x Zweiter) verließ Nulldrei endlich die Verbandsliga in Richtung Oberliga. Die Nordkurve verschwand zum Abschied in einem Fackelmeer. Damals kein Problem für unseren Verein. Jahrelang hing sogar ein Bild davon in der Geschäftsstelle. Heute ist Pyrotechnik offizell natürlich nicht mehr gern gesehen. Danke DFB.
Die Fangemeinde veränderte sich erneut. Hinzu kamen viele Familien mit Kindern, Jugendliche und Prolls. Aber auch Faschos und sogenannte Hooligans. Wir hatten jetzt unsere eigenen.
Die gemütlichen Zeiten mit eigenem Bier waren nun ebenfalls vorbei. Jetzt sorgte eine Ordnungsgruppe für “Ruhe, Ordnung und Sauberkeit”. Nur eins blieb uns erhalten: Nulldrei verlor nicht und stieg nach einem Jahr in die Regionalliga auf. Fortan kamen schon 2000 Zuschauer im Schnitt ins Karli . Hier trafen wir auf Traditionsvereine mit enormen Fanpotential, selten waren wir Nulldreifans die Macht im Karli. Unseren Spielern ging es bald genauso und es schien, als sei die lange Zeit des Siegens vorerst vorbei. Ein anderes Problem wurde die ständige Verarschung der Fans in Babelsberg von Seiten des Vereins. In der Regionalliga lagen dem Verein nun sogenannte Sicherheitskon-zepte der Polizei vor. Diese beinhalteten z.B. den Verlust der Nordkurve für Nulldrei-Fans. Sie sollte als Pufferzone zwischen Heim und Gästefans dienen. Wir wurden hin und hergeschoben. Nach und nach gewann man als Fan den Eindruck, man wäre nur noch zahlender Gast. Vielleicht ein Grund dafür, daß sich die Fanszene in den kommenden Jahren stetig und vielfältig entwickelte. Fanclubs schossen wie Pilze aus dem Boden. Munke, FI 99, Idefix, Park-wächter damals die Vorreiter für ein heute sehr breites Spektrum an Fanclubs. Auch der erste Fanclub außerhalb der Stadt entstand damals: Steierberg.
Um die vielen Interessen der Fans zu wahren, wurden Fantreffen veranstaltet, teils vom Verein organisiert, teils von Fanclubs.
Höhepunkt vorerst war die erste Fannacht im Herbst 97 im Lindenpark, die die Mannschaft geschlossen besuchte. An diesem Abend wurde das bislang einzige Gemeinschaftsheft von Abseits und der Stadionzeitung herausgegeben.
Eines der größten Probleme der Fans auf den Fantreffen war immer die Frage der Standpunkte Gästeblock und Nordkurve. Noch immer gab es keine vernünftige endgültige Lösung. Ginge es nach der Polizei bekämen die Gäste die besten Plätze im Stadion. Der Verein wollte jedoch weder Polizei noch Fans verärgern. So kam es zu Problemen.
Erst durch massiven Druck der Fans durften wir die Nordkurve behalten. Der Gästeblock entstand hinter dem Tor auf der Parkseite. Eventuell wollte man die Kurve öffnen, falls Union wieder eine Vielzahl von Fans mitbringen würde. War es erst Union, fand man sich als Fan plötzlich auch gegen andere Gegner (z.B. FC Berlin) vor verschlossener Nordkurve.
So kam es durch ständige spontane Sperrungen der Nordkurve auch zu spontanen Aktionen dagegen. Gegen den FC Berlin wurde die Sitzplatztribüne geentert und erst nach Öffnung der Nordkurve wieder verlassen. Beim legendären Spiel gegen Halle 96 (9:1) drohte Kaminski über Lautsprecher damit, er lasse die Nordkurve räumen. Wir kamen ihm zuvor und räumten selbst die Kurve und legten 15 Minuten des Schweigens zu Beginn der zweiten Hälfte ein. Ob ihm damals klar wurde, wie wichtig wir Fans sind, wissen wir bis heute nicht. Zumindest kam es zu Gesprächen zwischen den Fangruppen und dem Verein. Dabei wurden endlich Lösungen (Blocktrenner) gefunden und mit Hilfe von Fans umgesetzt. Es ging also. Und die Fans konnten in ihre geliebte Kurve zurück.
Im selben Jahr gelang Babelsberg - Hermanns 1.Streich - die Qualifikation für die neue 3.Liga. Fortan ging es gegen Braunschweig, Lübeck, Essen, Wattenscheid usw. statt Lok Leipzig, Dynamo Dresden und Magde-burg.Für uns Fans noch weitere Fahrten. Einzig unser alter, neuer Lokalrivale aus der Wuhlheide wurde uns nicht los und wir ihn nicht. So sollte es auch bleiben. Nach dem einen Jahr 3.Liga folgten wir den Unionern in die 2.Bundesliga. Dort aber kehrte schnell Ernüchterung ein. Bei den Spielern auf dem Rasen, sowie bei den Fans auf den Rängen. Letztere waren schon bei Saisonstart bedient, als neben den Eintrittspreiserhöhungen die Ermäßigungen für Rentner und Arbeitslose wegfielen. Die spätere Erhöhung bei Euroumstellung verwunderte da kaum noch. Zwischenzeitlich gab es mal Doppelhalterverbot, Nordkur-venräumung durch Polizei nach dem Spiel und dergleichen. Bei den zwei großen Matches im August gegen unsere Berliner “Lieblingsgegner” Union und Hertha kam es zu Ausschreitungen, rechten Provokationen und gewalttätigen Übergriffen. Die Polizei griff wenn überhaupt erst viel zu spät ein. Dafür verschaffte sie uns die Gesellschaft von zwei “Experten”, die seither vor allem auswärts durch ihre gute Kooperation mit der ansässigen Polizei auffiel. Unser familiärer Verein hält sich bei alldem gern zurück und verweist auf das Fanprojekt. Dieses entstand endlich im letzten Jahr nur durch enormen Einsatz einiger weniger Fans. Derzeit entsteht ein Fanladen in der Karl Gruhl Straße. In dieser ehemaligen Gaststätte “Robe” feierten schon die Rotationspieler in den 50ern. Damit geht ein weiterer langgehegter Traum in Erfüllung. Sicher nicht unser letzter. Denn seit den 10 Jahren in denen wir die Mannschaft begleiten bzw. auch das Abseits herausbringen, ist die Mannschaft noch nie abgestiegen. Und das soll möglichst auch so bleiben!
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nordkurve 1991

nordkurve 1993

nordkurve 1995

nordkurve 2001

Mit der Stiege Bier unterm Arm zum Heimspiel

Aufstiegsparty 1995

münster 2001
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