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DAS AKTUELLE INTERVIEW mit der ABSEITS-CREW
Was viele schon immer mal wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Die Abseits-Crew zieht Bilanz nach 10 Jahren und 44 1/2 Heften Babelsberger Fanzinegeschichte.

Wie kam es dazu das ihr das ABSEITS gemacht habt?
Irgendwie sind die meisten von uns früher zu Motors DDR-Liga-Spielen gerannt, aber über die Wende schlief das alles ein. 1991 haben wir dann unsere Liebe zum Fußball wiederentdeckt und da das Stadionheft damals nur aus Zeitungs-artikeln und Werbung bestand, dachten wir uns wir müssen etwas eigenes machen. Der auschlaggebende Punkt war wohl das Spiel in Nauen, nachdem uns die Presse vorgeworfen hatte, wir hätten randaliert. (siehe S. 39 )

Wieviel Hefte habt ihr damals verkauft?
Von der Nr. 1 haben wir damals 100 Stück kopiert und irgendwann gab´s nochmal eine Nachauflage von 30 Stück. Bei einem damaligen Zuschauerdurch-schnitt von 200 keine schlechte Auflage. Heute ist die Auflage 500 Stück auf ca. 3500 Zuschauer.

Wie muß man sich die erste Ausgabe vorstellen?
Es bestand damals aus einigen kopierten Seiten. Die Texte waren auf Omas Schreibmaschine getippt. Es war alles sehr großzügig angelegt, ein paar Spielberichte, ein paar Fotos und das wars. Das erste Interview kam dann in Heft 2.

Mit wem?
Ein 18jähriger Heiko Bengs besuchte uns in unserer damaligen Wirkungsstätte in der Gutenbergstr. 22. Es war für beide Seiten völliges Neuland, aber fortan sollte es ein fester Bestandteil des Abseits werden.

Und das Heft habt ihr im Copyshop kopiert und dann verkauft?
Ganz so einfach war es nicht. Wir mußten ja versuchen, die Kosten möglichst gering zu halten. Sicher kam es schon mal vor, das wir im Copyshop waren. Aber nur, wenn alle Stricke rissen. Meistens versuchten wir auf unseren jeweiligen Arbeitsstätten die Kopierer heiß laufen zu lassen. Später auch mal im Lindenpark oder im Tatort. Einige Kopierer wurden dabei außer Gefecht gesetzt.
Freitags abends trafen wir uns dann mit ein paar Leuten, und in einer lustigen Runde wurden die Hefte zusammengelegt und gefaltet. Irgendwann reichte dann der Tacker nicht mehr, weil das Heft zu dick wurde.

Und wie ist es heute?
Seit einigen Jahren haben wir mit Rainer einen Profi gefunden, der das Abseits in einer Art Druckkopie herstellt. Er ist sehr zuverlässig. Ohne ihn wäre manches Mal das Heft nicht pünktlich erschienen.

Ihr seid mit der Qualität aber nicht unbedingt zufrieden?
Das Problem bei diesem Druckverfahren ist, das die Qualität der Bilder nicht so gut ist. Wir wollen unseren Lesern natürlich auch immer mehr bieten, nicht nur inhaltlich. Dazu gehört eben auch eine gewisse Druckqualität. Wir hoffen, daß wir jetzt jemand gefunden haben, der dank besserer techn. Möglichkeiten uns unsere Vorstellung von einem “besseren” Heft erfüllt. Aber auch dabei müssen wir uns überraschen lassen.

Auch inhaltlich hat sich das Heft doch im Laufe der Jahre verändert?
Auf jeden Fall. Wir erscheinen zwar nur noch 4x pro Saison, dafür aber immer knapp 50 Seiten stark. Wie gesagt, begannen wir damals mit Spielberichten, die rein aufs Sportliche bezogen waren. Damals konnte man im Gegensatz zu heute in der Presse nur einen 3-4 Zeiler lesen, von anderen Medien ganz zu schweigen. Mittlerweile haben wir uns mehr darauf verlegt, vom Drumherum an einem Spieltag zu berichten. Und - wir können seit einigen Jahren als kritisches Auge der Fans agieren, denn die Zeiten, in denen alles noch “heile Welt” war, sind vorbei.

Was heißt das : heile Welt?
Zu unseren Anfangszeiten kickte der Verein noch in der Bezirksliga. Da konnte man, grob gesagt, als Fan noch machen , was man wollte. Sprich, wir brachten unsere eigenen Getränke mit, Hunde konnten frei rumlaufen. Es gab keine Blocktrenner, keine Sicherheits-kräfte, keine Ordner. Die brauchten wir auch garnicht. Nach dem Spiel ging man auch öfter mal mit den Spielern auf ein Bier in die Kneipe. Das war wirklich familiär. Und wir durften damals als Fans im Mannschaftsbus mitfahren, zumindest noch in der Bezirksliga. Das waren Erlebnisse, die Mannschaft und Fans zusammengeschweißt haben. Damals wurden auch nicht jedes Jahr 12 Neue verpflichtet, höchstens 3 bis 5. Und die wurden schnell von allen integriert.
Einmal , wir kamen zusammen mit der Mannschaft vom A-Spiel, aus Meyenburg vermutlich, lag ein Baum quer auf der Straße. Der wurde dann gemeinsam von Fans und Mannschaft weggeschafft. Oder wenn man an die erste gemeinsame Party von Fans und Mannschaft denkt! Die fand in einem besetzten Haus in der Dortustr. statt. Da wurde so doll gefeiert, daß man Spieler trunkend auf dem Boden schlafen sah. Wir wollen hier aber niemanden bloßstellen.

Und heute?
Heute geht es schon am Stadioneingang los. Man zahlt statt 3 Mark nun schon 9 Euro. Bei Kontrollen wird man schikaniert. Es gibt zwar noch richtiges Bier bei uns im Stadion, aber wer will schon eine halbe Stunde für ein Rex anstehen. Im Vergleich zu anderen Vereinen kann man bei uns schon noch sagen, daß die Spieler “normal” sind. Wo kann denn Fan noch großartig in der Bundesliga mit seinen “Helden” plaudern. In Babelsberg geht das.

Wer liest das Abseits?
Also hauptsächlich der gemeine Nulldrei-Stadionbesucher. Aber auch Leute aus dem Vorstand , Spieler und Betreuer. Manche kommen bei jedem Heimspiel und fragen, ob es heute ein neues Heft gibt. Wir haben richtig treue Fans. Seit 92 betreiben wir auch einen regen Abotausch mit Gleichgesinnten anderer Vereine. Das reicht von Erstliga-Fanzines von Rostock, Schalke, Cottbus oder St.Pauli bis zu Oberligavereinen wie Greifswald, Türkiyemspor und TeBe. Rechnet man die privaten Anfragen mit, gehen wohl jedesmal so ca. 40 Hefte auf Reise. Leider nicht immer pünktlich. Unser großes Problem ist immernoch die Postbearbeitung.

Gab es schon einmal etwas ungewöhnliche Anfragen?
Wir bekamen Post aus England, Österreich, Spanien, Polen, der Schweiz und Bayern. Ob die Hefte dort aber auch gelesen wurden, haben wir nie erfahren.

Da ihr ja in eurem Heft recht kritisch zu Werke geht, gibt es bestimmt nicht immer nur positive Resonanz?
Im Allgemeinen ist die Resonanz schon positiv. Es gibt aber auch Stimmen, die sich kritisch zu uns äußern, die eine andere Meinung zum geschriebenen haben. Wir haben den Leuten dann immer angeboten, sich im Abseits dazu zu äußern. Leider nahm bisher niemand diese Möglichkeit war.
Schreiben kann eigentlich jeder fürs Abseits, sofern er die Grenzen des guten Geschmacks nicht überschreitet. Dazu gehören Beleidigungen von Spielern, Fremdenfeindlichkeit u. ä. Mist.

Gab es ausgefallene Sachen beim Abseits in den letzten 10 Jahren?
Nunja, zwei Ausgaben erschienen in DinA4. Unser Drucker Rainer hatte wohl grade keine kleineren Blätter. Außerdem druckt er uns immer ungewöhnliche Stückzahlen: z.B. 333, 444, 555 oder so. Und es gab eine Sonderausgabe zur ersten Fannacht im September 98 in bunt. Es war ein Gemeinschaftsprodukt vom Stadionkurier und dem Abseits.
Mit den Machern vom damaligen Stadionkurier Uwe & Holger verstanden wir uns immer gut. Es gab sogar Absprachen, wer wann wen interviewt, damit es zu keinen Überschneidungen am Erscheinungstag kommt. Leider war es ihnen nicht vergönnt, das Programm auch in der 2.Bundesliga zu gestalten. Das ist umso mehr schade, weil beide mit dem Herzen Nulldreier sind.

Diese Probleme haben wir zum Glück nicht. Wir sind sogar 44 Ausgaben ohne Werbung ausgekommen. Darauf sind wir besonders stolz. Welches Fanzine erscheint schon in der Stärke für den Preis werbefrei?

Was war euer bisher bestes Heft?
Das beste Heft ist immer das aktuelle. Wir haben uns ebenso wie der Verein immer weiter entwickelt, da ist das nur logisch. Wenn wir noch daran denken, wie stolz wir waren, als die erste Ausgabe fertig war! Und heute ist es fast noch genauso. Wenn man Freitag früh um 3 Uhr morgens die Druckvorlagen fertig in der Hand hält, dann ist es immernoch ein besonderes Gefühl. Man kann sich auch als Außenstehender nicht vorstellen, wieviel Arbeit in einem solchen Heft steckt. Wir müssen zwar dank moderner Technik nicht mehr mit Tipp-Ex arbeiten, die Ansprüche ans Layout sind dennoch gestiegen. Das heißt wir müssen schon mal ne Nachtschicht einlegen bzw. die Arbeitsstelle mit nem gelben Schein beglücken, damit ein neues Heft erscheinen kann.

Wie sieht die Zukunft des Abseits aus?
Wir machen trotz der Konkurrenz modernerer Medien wie Internet etc. auf jeden Fall weiter. Wenn es ein Ende geben sollte, muß es auf jeden Fall ein spektakuläres sein. Vielleicht wenn Nulldrei die ChampionsLeague gewonnen hat. Man sollte jedoch mit solchen Wünschen vorsichtig sein. Als Kaminski vor sechs Jahren von der 2.Liga sprach, haben auch nur alle gelacht.

Habt ihr durch die derzeitige sportliche Misere Motivationsprobleme neue Hefte zu produzieren?
Sicherlich macht es mehr Spaß über Erfolge zu berichten. Wir sind da in der Hinsicht in Babelsberg schon irgendwie erfolgsverwöhnt. Wir hatten aber auch schon schwere Jahre in der Regionalliga, in denen es gegen den Abstieg ging.Wir halten es da mit dem altbewährten Spruch: Willst du Babelsberg oben sehn, mußt du die Tabelle drehn! Was wir auch in früheren Ausgaben, als die Tabelle noch auf der Rückseite zu finden war, so darstellten. Und nicht zu vergessen: Seit es das Abseits gibt, ist der Verein noch nie abgestiegen und so soll es auch bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!
Keine Ursache

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