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Stadion

Wissenswertes übers Karli

SV Babelsberg 03 - Union Berlin 2000 Hase und Wolf auf der Karl-liebknecht-Straße Aufstieg in die 2. Bundesliga Aufstieg in die Oberliga 1995 Panoramabild Karl-Liebknecht-Stadion


1. Das Stadion und seine Geschichte

Das Karl-Liebknecht-Stadion wurde 1974 bis 1976 nach dem Vorbild englischer Fußballstadien am Rande des heute zum UNESCO-Welterbe gehörenden Babelsberger Parks errichtet. An der Stelle des Stadionneubaus befand sich bereits seit Mitte der 1920er Jahre der Sportplatz an der Priesterstraße bzw. nach dem Krieg der Sportplatz an der Karl-Liebknecht-Straße.

Der erste Fußballplatz am heutigen Ort wurde von Concordia Nowawes, einem Arbeitersportverein, um 1924 auf dem Gelände einer ehemaligen Baumschule des benachbarten Babelsberger Parks errichtet. Der Park Babelsberg geht zurück auf den späteren Kaiser Wilhelm I. und seine Frau Augusta. Im Auftrag des damaligen Prinzen verwandelten die Gartenkünstler Lenné und Fürst von Pückler-Muskau das zur Havel und nach Nowawes abfallende, hügelige Gelände in eine viktorianische Parklandschaft. Im Rahmen der Vermögensauseinandersetzung nach dem Ende der Monarchie fielen Schoss und Park Babelsberg 1926 an den preußischen Staat. Schon vor Errichtung des Sportplatzes an der Priesterstraße hatten Babelsberger Fußballer im Babelsberger Park gekickt.

Concordia Nowawes, 1927; Blick Richtung Semmelweisstraße. Aufstellung: K. Zilias, Schulz, K. Müller, W. Mioske, W. Knauft, W. Hänsel, H. Lüdicke, F. Rankow, W. Fischer, E. Grasse, E. Robe, G. Thomas, M. Graupner

Während des Zweiten Weltkrieges wurde auch der Sportplatz an der Priesterstraße in Mitleidenschaft gezogen. Bombenkrater prägten das Spielfeld. Zäune, Tore und Bänke waren zu Brennholz verarbeitet. Doch bereits kurz nach der Befreiung vom Faschismus fand sich die Babelsberger Fußballgemeinde zusammen, setzte den Sportplatz instand und nahm am organisierten Spielbetrieb teil. Mit dem ersten Endspiel um die brandenburgische Landesmeisterschaft am 3. April 1949 sah der Sportplatz an der Karl-Liebknecht-Straße seinen ersten herausragenden Höhepunkt. Babelsberg bezwang vor 7.000 Zuschauern die BSG Franz-Mehring Marga daheim mit 4:1. Im Rückspiel in Marga unterlag Babelsberg mit 0:2. Ein Entscheidungsspiel musste her. In Eberswalde wurde die Elf um Kapitän Schupo Tietz und Torwart Schrippe Schröder durch einen 2:1 Erfolg über den Rivalen aus Marga brandenburgischer Fußballmeister.

Rotation im Karli in den 1950er Jahren
Rotation im Karli in den 1950er Jahren

Ab 28. August 1949 erhielt der Sportplatz offiziell den Namen „Karl-Liebknecht-Sportplatz“. Gegner beim Einweihungsspiel war die Elf des Leipziger Vereins Gohlis Nord, die 2:1 geschlagen wurde. Sechs Tage später startete die neue Spielklasse als DS-Liga, die später zur DDR-Oberliga wurde. In Babelsberg unterlag die BSG „Märkische Volksstimme“ zur Saisoneröffnung gegen Dresden-Friedrichstadt mit dem Rekordergebnis von 2:12. Von dieser Niederlage erholte sich Babelsberg aber bald und spielte von 1949 bis 1958 als BSG Rotation Babelsberg (ab September 1950) in der höchsten Spielklasse der DDR. Regelmäßig waren 10.000 Zuschauer und mehr auf den aus einer Holztribünen und Erdwällen bestehenden Zuschauertraversen zu Gast. Da die Kapazität häufig nicht ausreichte, boten auch die Bäume des umliegenden Park Babelsberg begehrte „Logenplätze“.

Mit dem Niedergang des Babelsberger Fußballs durch die staatlichen Eingriffe in die Vereinsautonomie in den 1960er Jahren verwahrloste der Karl-Liebknecht-Sportplatz zunehmend. Erst ab Anfang der 1970er Jahre startete eine Initiative für ein neues Fußballstadion. Schlagzeile der Tagespresse.Ab 1974 begannen mit Unterstützung der sowjetischen Armee und schwerer Technik die Rodungsarbeiten auf den Wällen und im unmittelbaren Stadionumfeld. Unter der Bauleitung des Ingenieurs Jürgen Rettig aus dem Karl-Marx-Werk und mit großem Einsatz von Feierabend-Brigaden aus dem Babelsberger Maschinenbaubetrieb, dem Trägerbetrieb der BSG Motor Babelsberg, wurde das Stadion in einfachen, aber klassischen Proportionen errichtet. Die Spielfeldfläche wurde auf 110 x 75 erweitert. Drei Stehtribünen mit jeweils 19 Stufen und eine Stehtribüne mit neun Stufen entstanden. Auf der Südseite wurde ein zweigeschossiges Tribünegebäude mit Überdachung der Sitzplatztribüne errichtet.

schwere Technik der Freunde
Die Sowjetarmee hilft mit schwerer Technik beim Bau des Karl-Liebknecht-Stadions
Das Stadion nimmt gestalt an
Das Stadion nimmt gestalt an
Die Gegengerade wird angeschüttet
Die Gegengerade wird angeschüttet
Das Tribünegebäude ist im Rohbau fertig.
Das Tribünegebäude ist im Rohbau fertig.
Letzte Hand wird angelegt
Letzte Hand wird angelegt

Schlagzeile zur Eröffnung des Karli

Die besonders dichte Atmosphäre der damals 15.000 Zuschauer fassenden Sportstätte, die mit einem Spiel gegen die DDR-Olympia-Auswahl am 10. Juli 1976 eingeweiht wurde, entsteht durch die unmittelbare Nähe zwischen Spielfeld und Zuschauerbereich. Die Einbettung in den Babelsberger Park bietet vor allem von der Haupttribüne aus ein wunderschönes Panorama, das sich im jahreszeitlichen Wandel immer neu präsentiert.

10. Juli 1976: Motor Babelsberg vs. DDR Olympia-Auswahl

Schlagzeile zum Länderspiel DDR vs. Malta im KarliIn den folgenden fünfundzwanzig Jahren änderte sich nur wenig. Einige Länderspiele wurden im Karli ausgetragen. Anfang der 1980er Jahre wurde nachträglich der Zaun zwischen Tribünen und Spielfeld errichtet. Ansonsten wurden im Wesentlichen nur Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

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Neben gut besuchten Meisterschaftsspielen fanden im Karli in den 1970er und 1980er Jahren internationale Vergleiche statt. Beim Weltmeisterschaft-Qualifikations-Spiel 1977 gegen Malta wurde im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion erstmals ausverkauft gemeldet. 9:0 gewann die DDR. 8.500 Zuschauer sahen das 1:0 gegen Norwegen in der Olympiaqualifikation am 12. November 1983. Das WM-Qualifikations-Spiel gegen Luxemburg am 18. Mai 1985 wurde vor 9.000 Zuschauern mit 3:1 gewonnen. Nicht zu vergessen: Im Karli fand das einzige Frauenländerspiel gegen die CSSR statt. Am 9. Mai 1990 verlor die DFV-Auswahl vor immerhin 800 Zuschauern mit 0:3. Das Stadion hatte sich zwischen 1976 und 1990 kaum verändert. Lediglich die ursprünglich nicht bestehende Spielfeldumzäunung war hinzugekommen.

Juli 2001: Neue Auswechselbänke für die 2. Bundesliga.

Mitte der neunziger Jahre begann der sensationelle Aufstieg des Babelsberger Fußballs, ohne das zunächst wesentliche Veränderungen am Stadion vorgenommen wurden. 1997 gelang der Aufstieg in die drittklassige Regionalliga. Mit der Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga-Saison 2000/2001 wuchsen die Anforderungen an das Stadion. Als am 09. Juli 2001 im Spiel gegen Düsseldorf 14.700 kamen, wurde nach 24 Jahren wieder ausverkauft gemeldet und der Aufstieg in die 2. Bundesliga vollendet.

Erst mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga 2001 setzte wieder ein relevanter Investitionsschub ein. Zunächst wurden die Sitzbänke auf der Haupttribüne gegen Schalensitze ausgetauscht. Fehlende Auswechselbänke wurden ergänzt. Außerdem erhielt die erste Mannschaft im Erdgeschoss eine neue Kabine. Schon in der damaligen Regionalliga durfte nur ausnahmsweise ohne Flutlicht gespielt werden. In der zweiten Liga wurde die Flutlichtanlage zur Pflicht. Ein massives Tauziehen um die Errichtung einer Flutlichtanlage begann, da die Schlösserstiftung eine Beeinträchtigung „der visuellen Integrität“ des benachbarten Gartendenkmals befürchtete.

Johanna Wanke, Hartmut Dorgerloh, Birgit Fischer und Axel Geiss diskutieren über Sichtachsen

Die geeignete Lösung entdeckte der damalige Präsident Detlef Kaminski in einem Konstruktionsprinzip auf einem amerikanischen Flughafen. Um eine imaginäre Sichtachse aus dem Babelsberger Park zwischen Flatow-Turm und Jagdschloss Stern nicht zu beeinträchtigen, wurden alle vier ca. 35 Meter hohen Flutlichtmasten mit einem Knickgelenk bei ca. 23 Metern Höhe ausgestattet, die das Abklappen des jeweils oberen Drittels der Masten zuzüglich der Traverse mit den Scheinwerferm ermöglichen. Die Anlage ist europaweit einmalig. Beim Spiel gegen Waldhof Mannheim am 12. April 2002 wurde das Flutlicht erstmals in Betrieb genommen. Der SVB unterlag 1:2. Den Treffer für Babelsberg erzielte Jens Dowe.

Mehrfach bereitete das spezielle Konstruktionsprinzip mit dem Knickgelenk und der elektrohydraulischen Mechanik in den Folgejahren Kopfzerbrechen. Bei einem Trainingsaufenthalt der türkischen Nationalmannschaft im Oktober 2010 versagte die Mechanik beim Aufrichten und ein Mastarm klappte ungebremst nach unten. In der Folge mussten alle vier Knickgelenke mit erheblichem Aufwand saniert werden.

Lange Jahre stritt auch ein Anwohner am Karl-Liebknecht-Stadion mit dem SVB über den Stadionbetrieb im Allgemeinen und das Flutlicht im Speziellen. Im März 2010 verlängerte die zuständige oberste Denkmalschützerin, Ministerin Martina Münch, die denkmalrechtliche Genehmigung für die Flutlichtanlage bis 2035. Der in den 1990er Jahren zugezogene, klagewütige Anwohner ist inzwischen wieder fortgezogen.

Seit der Übernahme des Stadions durch den SV Babelsberg 03 in der Saison 2002/03 bemühte sich der Verein um eine schrittweise Abarbeitung des Sanierungsrückstaus, war mit dieser Aufgabe angesichts des schlechten Gesamtzustandes der Anlage letztlich aber überfordert. Ursächlich hierfür war unter anderem auch die Tatsache, dass der FFC Turbine Potsdam das Stadion zum Nulltarif nutzen darf und die Kosten hierfür jahrelang durch den SVB zu tragen waren. Dennoch gelang es beispielsweise die Sanitärsituation für die Stadiongäste nachhaltig zu verbessern. 2004 erhielt das Karl-Liebknecht-Stadion nach fast 30 Jahren erstmals eine neue Drainage sowie einen neuen Rollrasen. Das Hauptgebäude erhielt einen Ersatz für die verschlissene Dachhaut. Neue Ballfangzäune und ähnliches wurden angeschafft.

Sparsamkeit made in Babelsberg: Fans verlegen den neuen Rasen 2004 Sparsamkeit made in Babelsberg: Fans verlegen den neuen Rasen 2004

Nachdem auf Initiative von Turbine Potsdam im Jahr 2006 ein neues Stadion auf der grünen Wiese für die Frauen WM 2011 gebaut werden sollte, formierte sich in Babelsberg erheblicher Widerstand. Der Plan sah vor, das Karl-Liebknecht-Stadion für den Neubau zu schleifen. Die Initiative Pro Karli warb hingegen für eine kostengünstige und nachhaltige Sanierung der Traditionssportstätte im Herzen des schönsten Potsdamer Stadtteils und konnte sich letztlich durchsetzen. Nachdem Investitions- und Betriebskosten ein Steuergrab voraus ahnen ließen, entschied sich die Landeshauptstadt Potsdam gegen einen Stadionneubau und für den Erhalt und die Sanierung des Karl-Liebknecht-Stadions.

Im Rahmen des so genannten Konjunkturpaketes II der Bundesregierung wurde das Karl-Liebknecht-Stadion ab 2010 nach fast 35 Jahren erstmals umfassend modernisiert. Die Zuschauerkapazität wurde auf 10.786 Plätze (2.006 Sitz- und 8.780 Stehplätze) erweitert. Es entstand eine neue Osttribüne, die erstmals überdachte Stehplätze bietet. Die Trainingsbedingungen wurden durch die Anlage eines neuen Kunstrasenplatzes verbessert.

Den Zuschlag für die Planung erhielt eine Arbeitsgemeinschaft aus Kock und Lünz Architekten, Potsdam, und ASS Architekten, Stuttgart. Die Arbeiten wurden in den Spielzeiten 2010/11 und 2011/12 bei laufendem Spielbetrieb ausgeführt. Zunächst wurde der damalige Block K abgetragen und eine überdachte Stehplatztribüne mit Funktionsunterlagerung (Gastronomie, Fanshop, Geschäftsstelle) errichtet. Es entstand eine repräsentative Eingangssituation von der Karl-Liebknecht-Straße. Im zweiten Schritt wurde das Hauptgebäude umfassend saniert. Im letzten Teil der Maßnahmen wurden der Natur- und der Kunstrasentrainingsplatz instand gesetzt bzw. neu angelegt. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten ist es insgesamt gelungen, den einzigartigen Charakter des Karl-Liebknecht-Stadions zu erhalten. Es gelang darüber hinaus, den geplanten Zeit- und Kostenrahmen im Wesentlichen einzuhalten.

2. Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Das Karl-Liebknecht-Stadion liegt zehn Gehminuten vom S-Bahnhof Babelsberg entfernt.

Aus Berlin fährt die S-Bahn-Linie 1 im Zehn-Minuten-Takt über die Stammbahn (Ostbahnhof, Alex, Friedrichstraße, Hauptbahnhof, Zoo, Charlottenburg). Nutzer des Regionalexpress 1 (Franfurt./o. - Magdeburg) fahren bis Potsdam Hauptbahnhof und nehmen von dort die S-Bahn nach Babelsberg.

In unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Babelsberg befindet sich die Bushaltestelle Rathaus Babelsberg. Ab der Haltestelle Rathaus Babelsberg fährt die Linie BUS 694 direkt zum Stadion. Die Haltstelle befindet sich vor dem Haupteingang.

Am Stadion gibt es kaum Parkplätze. Es empfiehlt sich öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Tickets gelten im Tarifbereich ABC Berlin-Brandenburg drei Stunden vor dem Spiel und bis drei Uhr des Folgetages als Fahrschein in allen öffentlichen Verkehrsmitteln.

3. Anreise mit dem Auto

Die Anreise erfolgt aus allen Richtungen über den Berliner Ring (BAB10).

- am Dreieck Nuthetal auf die BAB 115 (AVUS-Verlängerung) Richtung Berlin-Zentrum/Potsdam abbiegen

- an der Abfahrt Abfahrt Potsdam-Babelsberg auf Nutheschnellstraße (L40) Richtung Potsdam-Babelsberg abbiegen

- an der Abfahrt Potsdam-Hauptbahnhof/Friedrich-List-Straße abfahren

Entlang der Friedrich-List-Straße und am Potsdamer Hauptbahnhof kann kostenfrei geparkt werden.

4. Gastronomie in der Nachbarschaft

Zahlreiche Kneipen und Restaurants befinden sich auf der Karl-Liebknecht-Straße zwischen Rathaus Babelsberg und dem Stadion. Beliebte Bars findet man auch an der Rudolf-Breitscheid-Straße.

Vor und nach dem Spiel treffen sich viele Nulldrei-Fans wegen der günstigen Getränkepreise im Fanladen in der Karl-Gruhl-Straße. Beliebte Kneipen sind weiterhin das Sportrestaurant Hiemke (Karl-Gruhl-Straße), Unicat (Karl-Liebknecht-Straße), Konsum und Zum Löwen II (Rudolf-Breitscheid-Straße) sowie die Wohngebietsgaststätte Nowawes (Großbeerenstraße).

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